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Die besten Uhren und Uhrenmarken

Gruen

Bild: Dietrich Gruen, 1892.png

Dietrich Gruen, Gründer der Gruen Watch Co.

Gruen Watch Company

Amerikanischer Uhrenhersteller mit Uhrwerksmanufaktur in Glashütte/Deutschland bzw. Biel/Schweiz

Geschichte

Dietrich Gruen wurde am 22. Februar 1847 als jüngstes von sieben Kindern in Osthofen/Rheinhessen geboren. Er erlernte das Uhrmacherhandwerk und wurde im Alter von 15 Jahren zur Ausbildung in die Uhrmacherschule des bedeutenden Uhrmacherlehrer Jess Hans Martens (1826–1892) nach Furtwangen im Schwarzwald geschickt. Dietrich Gruen arbeitete während seiner Ausbildung unter anderem auch in Karlsruhe und Wiesbaden. Nach Abschluss seiner Ausbildung ging er für drei Jahre nach Le Locle in die Schweiz, wo es schon damals eine bedeutende Uhrenfertigung gab.

Im Anschluss folgte er seinen älteren Geschwistern, die in die USA ausgewandert waren. Dort heiratete er am 6.5.1869 in Cincinnati/Ohio die deutschstämmige Pauline Wittlinger und hatte mit ihr fünf Kinder. Zunächst arbeitete er als Uhrmacher im Uhrmacherladen seines Schwiegervaters. Nachdem er sich eine richtungsweisende Innovation in der Konstruktion von Taschenuhren patentieren ließ, machte er sich mit einem Geschäftspartner selbständig und gründete die Columbus Watch Co. in Columbus/Ohio. Nachdem diese Anfang der 1890er Jahre durch eine Wirtschaftskrise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und er seine Anteile an der Firma verlor, gründete er mit seinem ältesten Sohn Frederick im Jahr 1894 die amerikanische Firma D. Gruen & Son.

Frederick hatte vom 1. Mai 1892 bis 31. Januar 1893 an der renommierten Deutsche Uhrmacherschule Glashütte im sächsischen Glashütte das Uhrmacherhandwerk gelernt und dort auch Paul Assmann, den Sohn des bekannten Uhrenfabrikanten Julius Assmann kennengelennt. Mit ihm zusammen gründeten Dietrich und Fredereick Gruen die Grünsche Uhrenfabrikation Grün und Assmann. 1897 trat auch der zweitälteste Sohn George J. Gruen in die amerikanische Firma ein, die deshalb in D. Gruen & Sons umbenannt wurde. In Glashütte wurden Uhrwerke mit dem selbst entwickelten Kaliber "Fortschritt" gefertigt, die zur Einhausung nach Amerika geschickt wurden. Zwei Unwetter mit Überschwemmungen im Jahr 1897 zerstörten die Uhrwerksproduktion. Ein Restbestand an vorgefertigten Kalibern konnte gerettet werden und somit die Auslieferung von Uhrwerke bis zur Jahrhundertwende sichergestellt werden. Die Familie Assmann litt allerdings stark unter den Schäden und war in der Folge gezwungen, ihre eigene Uhrenproduktion zu verkaufen.

Gruen verlagerte daher die eigene Uhrwerksproduktion nach Biel in die Schweiz. 1903 wurde die Gruen Watch Manufacturing Company of Biel, Switzerland in Madretsch, einem damals noch eigenständigen Vorort von Biel gegründet. Die Stadt Biel war damals wie auch heute noch ein Zentrum der Schweizer Uhrenindustrie und es gab viele gut ausgebildete Fachkräfte.

Bild: Gruen Verithin

Gruen VeriThin Taschenuhr in Pentagon-Form

Die Gruens entwickelten dort die Gruen VeriThin, eine besonders flache Taschenuhr, die 1904 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Diese Uhr war bahnbrechend für ihre Zeit, da sie die Anzahl der Ebenen für die sich überlappenden Zahnräder von 4 auf 3 reduzierte, was eine deutlich dünnere Bauweise auch der Uhrengehäuse ermöglichte. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Uhr, der auch mit einem Ausbau des Vertriebsnetzes in den USA einherging, ermöglichte eine Expansion der Produktion.

Dietrich Gruen verstarb auf einer seiner zahlreichen Europareisen am 11.4 1911 auf See kurz vor der Ankunft in Italien. Sein Grab ist noch heute auf dem Spring Grove Cemetery in Cincinnati, Ohio zu finden. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm Frederick Gruen zusammen mit seinem Bruder George die Führung des Unternehmens.

Die beiden etablierten die Gruen Watch Makers Guild, die nach dem Vorbild der mittelalterlichen Handwerksgilden verschiedene Hersteller in einem losen Verbund zusammenführte. Einer dieser Hersteller war der Uhrwerkshersteller Aegler am Rebberg in Biel/Schweiz, der sich auf Kleinuhrwerke spezialisiert hatte. Da die damalige Mode nach immer kleineren Uhren verlangte und die Armbanduhren zunehmend die Taschenuhren verdrängten, prosperierte Aegler zunehmend. Neben Gruen fertigte die Firma fast ausschließlich noch für die damals noch relativ unbekannte Uhrenmarke Rolex. Der Gründer von Rolex, Hans Wilsdorf, die Familien Aegler und Gruen waren gut bekannt. Da Rolex überwiegend in England und Europa aktiv war und Gruen in den USA gab es auch wenig Rivalitäten zwischen den Firmen. Die enge Verflechtung führte in der Folge zu einer finanziellen Beteiligung von Gruen und Wilsdorf an Aegler und einer Umfirmierung der Aeglerschen Uhrenmanufaktur in Aegler, Société Anonyme, Horologies D’Excel lence Fabrique des Montres Rolex & Gruen Guild A.

Bild: Time Hill, Cincinnati-Ohio (1937)

Time Hill, Firmenzentrale der Gruen Watch Company in Cincinnati/Ohio (1937)

Der zunehmende Erfolg führte dazu, dass der alte Standort von Gruen in der Innenstadt von Cincinnati schon bald zu klein wurde. Daher kaufte man ein Grundstück auf einem Hügel etwas außerhalb der Stadt und nannte ihn Time Hill. 1917 wurde dort ein neues Gebäude eingeweiht, dass mit seiner Fachwerkstruktur und einem grünen Ziegeldach den mitelalterlichen Gildenhallen nachempfunden war. Der Gebäudekomplex, der neben den Büros auch die Montage der Uhren und die Reparturwerkstätten beheimatete, wurde in den Folgejahren mehrfach erweitert.

1921 wurde dann ein ähnliches Gebäude in Biel/Schweiz errichtet, schräg gegenüber der Uhrwerksfertigung von Aegler. Die beiden Schweizer Gebäude existieren heute noch und gehören beide zur Firma Rolex. Auf dem ehemaligen Gruenschen Gebäude, der ehemaligen Precision Factory, prangt heute ein großer Rolex-Schriftzug, der in der ganzen Stadt zu sehen ist. Die Precison Factory erhielt ihren Namen von der Tatsache, dass dort im Verbund der Gruen-Gilde nur die hochwertigsten Uhren (anfänglich alle mit 17 Steinen) gefertigt wurden, während in anderen Werken auch einfachere Uhren hergestellt wurden.

1922 wurden die Firmen D. Gruen, Sons & Company, The Gruen National Watch Case Company of Cincinnati und The Gruen Watch Manufacturing Company of Biel, Switzerland zur Gruen Watch Company unter Leitung von Frederick Gruen zusammengeführt.

1924 brachte die Gruen Watch Company zum 50. Jahrestag der Patentanmeldung von Dietrich Gruen eine auf 600 Stück limitierte Taschenuhr heraus. Die 50th Anniversary Watch hatte 23 Steine und ein massiv goldenes und reichlich verziertes Uhrwerk. Das Gehäuse hat die durch Gruen patentierte 5-eckige Pentagon-Form.

1925 wurde dann mit der Gruen Quadron die erste Uhr mit einem rechteckigen Formuhrwerk auf den Markt gebracht und war damit wiederum wegweisend in der Branche. Das rechteckige Uhrwerk ermöglichte es, die in Mode kommenden rechteckigen Uhren zu bauen, ohne im Uhrgehäuse viel Platz zu verschenken. Die rechteckigen Uhrwerke konnten daher im Vergleich zu den bisherigen runden größer gemacht werden, was auch die Genauigkeit erhöhte.

Bild: Gruen Techni-Quadron

Gruen Techni-Quadron, Kaliber 877, Doctor's Watch

In der Blütezeit der Gruen-Gilde im Jahr 1928 wurde von Aegler die sogenannte Doctor's Watch auf den Markt gebracht, die zwei gleich große Zifferblätter für die Minuten und Sekundenanzeige hatte und somit dem Arzt das Pulsmessen erleichterte. Das Kaliber Gruen 877 erfüllte alle Erwartungen an die Präzision, und damit war diese Uhr die erste in großer Stückzahl hergestellte Armbanduhr, die ein Chronometerzertifikat erhielt. Die Uhr wurde von Rolex als Rolex Prince und baugleich von Gruen als Gruen Techni-Quadron vermarktet. Ab 1929 qabe es sie auch von Alpina als Alpina-Gruen Tecno.

Um auch auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen, gründete Gruen im Jahr 1929 zusammen mit der Schweizerischen Uhrmacher-Corporation Alpina, die Alpina Gruen Gilde SA. Der Zusammenschluss sollte den Markt in Europa für Gruen-Uhren eröffnen, kam aber nie richtig in Gang, da zeitgleich die Welt in eine Wirtschaftskrise schlitterte und der Absatz von Uhren weltweit einbrach, weshalb die Kooperation 1935 wieder aufgelöst wurde.

1935 stellte Gruen mit der Gruen Curvex abermals eine technische Innovation vor, die alsbald auch von vielen Mitbewerbern kopiert wurde. Die Gruen Curvex hatte nicht nur ein gebogenes Gehäuse sondern auch ein gebogenes Uhrwerk, und fügte sich daher nicht nur besonders gut an das gebogene Handgelenk an, sondern konnte dabei auch noch relativ flach sein. Die Gruen Curvex war kommerziell sehr erfolgreich und wurde mit vier verschiedenen Kalibern (311, 330 440 und 370) von 1935 bis 1952 gebaut.

Ebenfalls 1935 wechselte Frederick Gruen im Alter von 65 Jahren als Vorsitzender in den Aufsichtsrat der Firma und machte Platz für den externen Manager Benjamin Samuel Katz, der von der Uhrgehäusefabrik Katz & Ogush aus New York kam. 1940 gab Frederick Gruen auch den Vorsitz im Aufsichtsrat ab, blieb aber bis zu seinem Tod im Jahre 1945 Aufsichtsratsmitglied.

Ein Jahr nach dem Tod seines Bruders George im Jahr 1952 verkaufte die Familie Gruen ihre Anteile am Unternehmen. Trotz Rekordumsätzen Anfang der 1950er Jahr verzettelten sich die neuen Eigentümer mit verschiedenen branchenfremden Investments, die sie in der umbenannten Firma Gruen Industries bündelten.

Im Jahr 1958 musste Time Hill verkauft werden und die Verwaltung wurde von Cincinnati nach New York verlegt. Die Precision Factory in der Schweiz verblieb aber noch bis 1972, bis zu ihrem Verkauf an Rolex, beim Unternehmen und produzierte weiterhin Uhrwerke für Gruen.

1976 im Zuge der Quarzkrise wurde dann die Uhre-n und Uhrwerksproduktion komplett eingestellt. Die Markenrechte wurde in der Folge an die Firma M.Z. Berger verkauft, die bis heute unter dem Namen Precision by Gruen Quarzuhren asiatischer Herstellung verkauft.

Die europäischen Markenrechte für Gruen liegen heute bei einem Unternehmer aus Berlin, der zurzeit eine Uhrenmanufaktur in Glashütte aufbaut, um dort - basierend auf den alten Wurzeln - hochwertige Armbanduhren unter der Marke D. Gruen & Sons herzustellen.

Literatur

Weblinks

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