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Automatik

Automatischer Aufzug (auch Selbstaufzug genannt) nutzt die physische Bewegung einer Uhr (in der Regel die Drehung), um das Federhaus zu drehen und die Zugfeder aufzuziehen. Er unterscheidet sich vom traditionellen Handaufzug, auch „manueller“ oder „schlüsselloser“ Aufzug genannt.

Definition

Bei dieser Art des Aufzugs bewirkt eine rotierende Schwungmasse (Rotor), die durch die Bewegungen der Uhr am Handgelenk ihres Trägers mitbewegt wird, den selbsttätigen Aufzug des Uhrwerks. Das hierbei allgemein übliche Konstruktionsprinzip ist das des Zentralrotors, eine Alternative dazu bietet das Prinzip des Mikro- bzw. Planetenrotors. Es gibt einseitig und beidseitig aufziehende Schwungmassen.

Zur Geschichte

Abraham-Louis Perrelet gilt als Erfinder des automatischen Aufzugs bei Taschenuhren. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, als sich die Armbanduhr anschickte, ihren Siegeszug anzutreten, erfand der Engländer John Harwood den automatischen Aufzug bei Armbanduhren. Erst jetzt machte diese Art des Aufzugs auch wirklich Sinn, da Armbewegungen das benötigte Plus an kinetischer Energie auslösen, welches für diese Antriebsart nötig und sinnvoll ist.

Der wirkliche, massentaugliche Start der automatischen Armbanduhr kann aber erst auf das Jahr 1931 datiert werden, als Rolex mit dem „Perpetual„-Aufzug einen Mechanismus auf den Markt brachte, der manuelles Aufziehen gänzlich überflüssig machte. In den folgenden 40 Jahren führte fast jeder Uhrenhersteller seinen eigenen automatischen Aufzugsmechanismus ein, der heute das vorherrschende System ist.

Albert Pellaton entwickelte ein weiteres System des automatischen Aufzugs, das 1946 zum Patent angemeldet und 1950 als Pellaton-Aufzug fertiggestellt wurde.

Eine weitere Version des automatischen Aufzuges stellt die "Pump-Action"-Automatik von Wyler dar. Diese Lösung konnte sich aber nicht durchsetzen.

Bevor Uhren mit automatischem Aufzug im Weltraum getragen wurden, gab es kurzzeitig Diskussionen, ob dort aufgrund fehlender Schwerkraft überhaupt genug Bewegungsenergie entwickelt werden könnte. Bei der ersten Weltraumuhr, der Omega Speedmaster Professional („Moon Watch“), hatte es sich noch um eine Uhr mit Handaufzug gehandelt. Schließlich zeigten aber die ersten von russischen Kosmonauten im Weltall getragenen Fortis-Modelle Official Cosmonauts Chronograph mit Automatikaufzug zweifelsfrei, daß auch die alltagsüblichen einfachen Körperbewegungen völlig ausreichen, um die Uhren mit der benötigten Energie zu versorgen.

Technik

Explosionszeichnung des Bidynator Werkes (zum Vergrößern anklicken!)
Explosionszeichnung des Bidynator Werkes

Hammerautomatik

Viele frühe automatische Aufzugssysteme drehten sich nicht frei um 360 Grad. Stattdessen drehte sich das Gewichtssegment eine kürzere Strecke, bevor es eine Feder und einen Anschlag an jedem Ende erreichte. Diese so genannten „Stoßfänger“- oder „Hammer“-Aufzugssysteme (engl.: bumper) waren zwar funktional, erzeugten aber ein seltsames Gefühl am Handgelenk. Obwohl sie in den 1950er Jahren in großem Umfang hergestellt wurden, kamen sie schnell aus der Mode und wurden nach Ablauf der Patente durch freidrehende Aufzugsmechanismen ersetzt. In den späten 1960er Jahren wurden keine Hammerautomaten mehr hergestellt.

Uni- oder bi-direktionaler Aufzug

1942 sorgte der Rohwerkefabrikant Felsa mit dem “Bidynator„ erstmals für einen beidseitigen (bi-direktionalen) Aufzug. Schließlich eliminierte Eterna durch die Verwendung eines Miniatur-Kugellagers ab 1948 verschiedene Probleme bei der Rotor-Lagerung und übernahm kurz darauf den bidirektionalen Aufzug. Seiko entwickelte 1959 mit dem “Magic Lever„-System eine völlig andere Methode des bidirektionalen Aufzugs.

Heute verfügen die meisten Automatikuhren über einen beidseitigen Aufzug, obwohl der einseitige (unidirektionale) Aufzug immer noch recht verbreitet ist. Der aktuelle Trend geht zurück zum einseitigen Aufzug mit der Begründung, daß er effizienter und zuverlässiger ist. Die meisten dieser Uhren werden im Uhrzeigersinn aufgezogen, aber viele auch gegen den Uhrzeigersinn, was für die Benutzer von elektronischen Uhrenbewegern ein Problem darstellt.

Automatischer Chronograph

Der Wettbewerb zwischen den Entwicklern des Breitling/Heuer-Kalibers 11 (mit Microrotor), auch Chronomatic genannt, und des El Primero von Zenith/Movado (mit Zentralrotor) markiert 1969 den Beginn des automatischen Aufzugs bei Chronographen. Auch Seiko lieferte 1969 seinen automatischen Chronographen 6139 aus, und 1973 bzw. 1974 folgten das Lemania 5100 und das weitverbreitete Valjoux 7750.

Automatikwerke mit Handaufzug

Viele Automatikwerke können auch von Hand aufgezogen werden. Es ist jedoch umstritten, ob dies den Mechanismus und die Kupplungen des schlüssellosen Werks beschädigen kann und bei bestimmten Uhrwerken, wie dem beliebten ETA 2824-2, vermieden werden sollte.

Rotorposition

Zentralrotor

[[Automatik]]werk Zenith El Primero mit [[Zentralrotor]] (zum Vergrößern anklicken!)
Automatikwerk Zenith El Primero mit Zentralrotor

Bei der am weitesten verbreiteten Technik des automatischen Aufzugs wird das Gewichtssegment auf einen Drehpunkt in der Mitte des Uhrwerks gesetzt. Das Segment dreht sich dann um den äußeren Rand des Uhrwerks. Dies erfordert in der Regel einen Freiraum rund um den oberen Teil des Uhrwerks für ein frei drehendes Segment, obwohl auch ein Hammer-Zentralrotorautomat möglich ist.

Zentralrotoren waren eine Herausforderung für Weckeruhren wie die Jaeger-LeCoultre Memovox. Die ersten Modelle verwenden einen Hammer, um den Weckerhammer durchzulassen, während spätere Uhrwerke einen zentralen Hammer in einem breiteren als dem normalen Rotorzapfen verwenden.

Peripherer Rotor

Einige Hersteller (vor allem Citizen und Patek Philippe) haben Räderwerke mit peripherem Aufzug hergestellt. Diese haben keinen zentralen Drehpunkt, sondern befestigen das Gewichtssegment an einem Ring, der sich um die Außenseite des Uhrwerks dreht. Diese erwiesen sich als problematisch und wurden zugunsten von Zentral- oder Mikrorotoren aufgegeben.

Mikrorotoren

Uhrwerk [[Universal 100]] mit **Mikrorotor** (zum Vergrößern anklicken!)
Uhrwerk Universal 100 mit Mikrorotor
© Universal

Obwohl die meisten automatischen Aufzugsmechanismen ein Gewichtssegment entlang des gesamten Umfangs des Uhrwerks verwenden, gibt es auch einige, die einen kleineren Einsatzrotor oder „Mikrorotor“ benutzen. Dieses Konzept wird seit der Erfindung des automatischen Aufzugs verwendet und findet auch heute noch in begrenztem Umfang Anwendung. Mikrorotoren werden häufig in ultraflachen Uhrwerken verwendet oder dort, wo ein voller Rotor andere Komplikationen stören würde.

Siehe auch

Literatur

Eine ausführliche Beschreibung der Geschichte des automatischen Aufzugs findet sich hier