Nomos

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Nomos Glashütte
© Nomos

Nomos Glashütte/Sa. ist ein deutscher Uhrenhersteller in Glashütte.

Firmengründung durch Roland Schwertner

Am 1. Januar 1991 wird der alte Traditionsname "Nomos" durch den Düsseldorfer Roland Schwertner, einen früheren EDV-Experten, wiederbelebt. Er gründet die Firma Nomos Glashütte/SA Roland Schwertner KG. Den Namen "Nomos" hatte es bereits vorher schon in Glashütte gegeben, nämlich in Form der Nomos-Uhr-Gesellschaft, Guido Müller & Co, Glashütte i/S. Diese Firma mußte damals schließen, weil ihre Uhren komplett in der Schweiz gefertigt waren und den Schriftzug "Glashütte" daher zu Unrecht trugen.[1] Auch Schwertner muß kurz nach seinem Start nach einer Abmahnung der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs um den Schriftzug "Nomos Glashütte/Sa." vor Gericht kämpfen.[2] Er kann jedoch nachweisen, daß er den größten Teil der Wertschöpfung seiner Produktion in Glashütte betreibt.

Mit der Tangente zum Erfolg

Nomos Tangente, ein moderner Klassiker
© Nomos

Der Start der neuen Nomos steht unter einem guten Stern, denn die Bekanntheit und der Verkaufserfolg der neuen Firma nehmen schnell zu. Dies vor allem aufgrund ihres neuen Modells Tangente, das bald zu einem echten Klassiker der modernen Uhr wird. Das Erscheinungsbild der Uhr ist auf entscheidende Weise von der Designerin Susanne Günther geprägt worden. Die in allen Details überaus stimmige Gestaltung wird mit etlichen Design-Preisen gekrönt.

Im Verkaufsprospekt von 1991 finden sich die ersten neuen Kollektionen: Orion, Tangente, Ludwig und Tetra. In jüngerer Zeit hinzugekommen sind die Modelle Tangomat und Club. Die Armbänder der Nomos-Uhren werden aus Shell Cordovan hergestellt, einem Pferdeleder, das als sehr robust und durch den hohen Anteil Eigenfett relativ wasserabweisend gilt (Shell Cordovan wird ansonsten vor allem für hochwertiges Schuhwerk verwendet).

1997 steigt der Versand Manufactum, der eine ähnliche, an Grundsätzen wie Authentizität und solider Handwerkskunst orientierte Produktionsphilosphie vertritt, bei Nomos mit ein. Durch diese Verstärkung ist es möglich, das ehrgeizige Projekt einer eigenen Werkentwicklung zu verfolgen. Außerdem werden die Uhren von Nomos nun bei Manufactum, sowohl im Versand als auch in den Filialen, angeboten und erreichen damit ein breites Publikum.

Zum 1. November 2003 kauft Nomos den 37,5%-igen Anteil von Manufactum wieder zurück und ist nun komplett unabhängig.

Auf Peseux 7001 basierende Uhrwerke und deren Veredelung

Nomos fertigt bis Anfang 2005 mechanische Armbanduhren auf der Basis von Schweizer ETA- bzw. Peseux-Rohwerken. Die Werke basieren auf dem Peseux 7001, und es gibt folgende Varianten:

Nach und nach verfeinert Nomos das zugrundeliegende Rohwerk. So werden Ankerkloben und Werkplatine mit Wölkchenschliff, Sperr- und Kronrad mit dem berühmten Glashütter Sonnenschliff versehen. Um das Werk noch langlebiger zu gestalten, wird es erst oxidationshemmend rhodiniert, später gestrahlt und vergoldet. Um das Werk genauer einregulieren zu können, wird es mit einer Triovis-Feinregulierung versehen, die in vier Lagen einstellbar ist. Darüber hinaus wird die Unruh auf 21.600 Halbschwingungen optimiert und ein Schweizer Ankergang verwendet.

Alle genannten Verbesserungen verweisen bereits auf den nächsten großen Entwicklungsschritt, denn von einer derart aufwendigen Weiterentwicklung des Peseux-Kalibers zum eigenen Werk ist es dann nicht mehr weit.

Der Schritt zur Manufaktur

Nomos Werkstattfoto
© Nomos

Im Jahr 2005 kommt mit dem Tangomat die erste Uhr mit eigenem Nomos-Werk heraus, erst als Testuhr, dann im offiziellen Verkauf. Das Automatikwerk war vom 29 Jahre jungen Mirko Heyne konstruiert worden. Zugleich werden auch die Nomos-Handaufzugswerke auf Eigenproduktion umgestellt. Gut 80 Prozent der Arbeit am Werk wird nun ausschließlich in Glashütte geleistet. Die Firma kann sich deshalb seither mit Fug und Recht zu den echten Manufakturen zählen. Die Uhren sind wahlweise mit Stahlboden oder kratzfestem Saphirglasboden erhältlich. Nomos führt ein Werkverzeichnis, beginnend mit der Nr.1.

Die Werke tragen ab sofort folgende Bezeichnungen:

Ebenfalls 2005 bezieht Nomos den Glashütter Bahnhof, der bereits 2000 gekauft worden war, als komplett neu renovierten Standort für Hauptfertigung und Verwaltung.

2006 gewinnen gleich zwei Uhren von Nomos bei der Wahl der „Goldenen Unruh“ (ausgeschrieben vom „Uhrenmagazin“ und „Focus online“): die Tangente erringt in der Kategorie bis 1000 Euro den ersten Preis, das neue Automatikkaliber Tangomat Datum den dritten Platz in der Kategorie bis 5000 Euro.

Im selben Jahr erscheint das Buch NOMOS Glashütte - Das große Universallexikon, ein reich bebilderter Band, der nicht nur viel Wissenswertes im Umkreis von Nomos, Mechanikuhren und den Ort Glashütte enthält, sondern darüber hinaus auch mit etlichen verblüffenden und amüsanten Geschichten aufwartet. Als Kostprobe diene folgendes Originalzitat: "In diesem Buch stecken Klimatabellen und Ausführungen zu Wolken, die manchmal über NOMOS hinwegziehen, genauso wie Glashütter Produktionsgeheimnisse (die fortan keine mehr sind)."

Eine interessante Parallele zur eingangs erwähnten Auseinandersetzung um genuine Glashütter Wertschöpfung (auch Glashütte-Regel genannt) ereignet sich, als Nomos eine Klage mit ähnlichen Gründen gegen die in Glashütte ansässige Firma Mühle anstrengt und sich 2007 vor Gericht durchsetzt. Auch Mühle gerät daraufhin in Schwierigkeiten und muß vorläufig Insolvenz anmelden.[3]

Wempe-Uhr mit von Nomos gefertigtem Tourbillon
© Nomos

Kooperation mit Wempe

Ebenfalls 2006 entstehen in Kooperation mit Wempe neue Uhren der Spitzenklasse, die von Nomos gefertigt und in der Sternwarte Glashütte der Wempe Chronometerwerke zum Chronometer geprüft werden:

Jung und aufstrebend

Nomos Tetra2 Duo
© Nomos

1992 hatte Nomos drei Mitarbeiter, im Jahre 2008 sind es 77 Angestellte (davon 40 Frauen) mit einem Durchschnittsalter von nur 34 Jahren — diese Zahlen sprechen wohl für sich. Die Firma exportiert nach Australien, China, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rußland, Schweden, Schweiz, Singapur, Spanien, Südkorea, Taiwan, Ungarn und in die USA.

Man fährt mit derselben bewährten Strategie fort: preiswerte Uhren zu hoher Qualität, mit der Fertigungskompetenz einer weitgehend autonomen Manufaktur und einem gleichbleibend sachlichen, unverwechselbaren Design. Nach der Entwicklung des eigenen Automatikkalibers und eines Tourbillon sowie eines neuen Handaufzugskalibers in Tonneau-Form wird in die Erforschung und Entwicklung weiterer Technologien (Räder, Triebherstellung usw.) investiert.

2007 kommt das neue Modell Club heraus. 2008 führt Nomos eine neue, zweite Automatikuhr ein und erweitert die Serie Club um die Modelle Club Datum, Club Automatik und Club Automatik Datum. Daneben sprechen gewitzte, einfallsreiche Sondereditionen die Leidenschaft der Uhrensammler an und sind häufig sehr schnell ausverkauft.

Nomos Zürich Anthrazit
© Nomos

Die Zürich

Als Glückstreffer erweist sich die Kooperation mit dem Zürcher Uhrendesigner Hannes Wettstein, der mit seiner letzten Uhrengestaltung, der Nomos Zürich, noch einmal eine geniale Kreation abliefert. Scheinbar an die ziffernlose Orion angelehnt, weist sein Entwurf jedoch weit über diese hinaus und hat das Zeug, zu einem echten Klassiker der Moderne zu werden. Eine Liebeserklärung zu dieser 2009 präsentierten Uhr und genauere Daten finden sich im Uhren-Wiki-Beitrag zur Zürich.

Das Weltzeit-Kaliber Xi

2011 entsteht das automatische Weltzeit-Kaliber Xi. Dieses wird in die neuen Modelle Zürich Weltzeit, Tangomat GMT und Tangomat GMT Plus eingeschalt. Im März 2012 wird das Modell Tangomat GMT zur Uhr des Jahres gewählt.

Deutsche Uhrenwerke NOMOS Glashütte

Dem unabhängigen Geist der Marke entsprechend präsentiert Nomos "Deutsche Uhrenwerke NOMOS Glashütte" im Jahr 2013, eine neue Linie von Kalibern mit noch mehr in-house Technik und feinerer Finissierung. 2014 markiert die Markteinführung des Nomos-Swing-Systems einen weiteren großen Meilenstein: Das gesamte Assortment wird nun im eigenen Haus gefertigt (gemeint ist damit jener Teil des Uhrwerks, der Unruh, Unruhfeder, Ankerrad und Paletten umfaßt).

Nomos Minimatik 1st edition champagner
© Nomos

Neues extraflaches Automatikwerk DUW 3001

Zusammen mit der Reihe "neomatik 1st edition" wird 2015 das neue extraflache Automatikwerk DUW 3001 vorgestellt. Als Start gibt es gleich 10 Modelle, davon drei bekannte (Tangente, Ludwig und Orion) sowie zwei neue (Metro und Minimatik), jeweils in einer Version mit weiß versilbertem oder champagnerfarbenem Zifferblatt.

Zahlreiche Design-Auszeichnungen

Nomos-Modelle haben zahlreiche Design-Auszeichnungen erhalten:

  • German Design Award
  • iF Product Design Award
  • Red Dot Award
    • Tetra EXPO 2000 (2000), Tangente Sport (2001), Orion anthrazit Glasboden (2002), Tangomat (2007), Zürich Datum (2010), Orion 38 Datum weiß (2011), Lambda Weißgold (2014), Metro (2015)

Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

  1. Näheres hierzu siehe: Nomos-Uhr-Gesellschaft, Guido Müller & Co, Glashütte i/S.
  2. siehe: Magazinbericht (NL)
  3. Mühle konnte weiterhin aktiv bleiben und sorgte in der Zwischenzeit für Einhaltung der Auflagen zur Wertschöpfung. Inzwischen ist die Insolvenz per Gerichtsbeschluß beendet worden. Näheres siehe: Mühle.